Uruguay, Lateinamerikas Meister der erneuerbaren Energien

25. February 2020 von Rebecca Bertram
Uruguay, Lateinamerikas Meister der erneuerbaren Energien

Uruguay erzeugt inzwischen mehr als 97 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energiequellen. Das Land hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Wandel in seinem Energiesektor vollzogen. Windparks im ganzen Land haben diese Kosten um mehr als 200 Millionen US-Dollar jährlich gesenkt. Außerdem konnte Uruguay dadurch seine Treibhausgasemissionen bis 2017 um erstaunliche 88 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2013 senken. Dieses Beispiel zeigt, dass es möglich ist, in relativ kurzer Zeit zu diversifizieren und große Teile der Stromerzeugung auf Wind- und Solarenergie zu stützen, ohne auf schmutzige Energie zurückzugreifen, und dass dieser Wandel sowohl der Wirtschaft als auch der Gesellschaft insgesamt zugute kommt. Aber der Weg Mujicas bietet auch eine andere, nicht weniger wichtige Lektion für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Südamerika insgesamt: Er wird nur durch transparente Entscheidungen und ein stabiles regulatorisches Umfeld gelingen. Wie viele der Nachbarn Uruguays sind bereit, dies zu lernen? Der Weg Mujicas bietet auch eine weitere Lektion für den Rest des südamerikanischen Sektors für saubere Energie.


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Uruguay liegt zwischen Argentinien und Brasilien am Atlantischen Ozean und beherbergt etwa 3,5 Millionen Menschen. Aber dieses kleine Land hat es unter die Top 5 der Wind- und Solarenergieproduzenten weltweit geschafft.

Wie die Internationale Energieagentur (IEA) im Oktober bekannt gab, liegt das Land mit einer Stromerzeugung von 36 Prozent aus Wind- und Solarenergie auf dem vierten Platz weltweit. Der erste Platz in der IEA-Rangliste geht an den internationalen Champion für erneuerbare Energien Dänemark (50 Prozent), gefolgt von Litauen (41 Prozent) und Luxemburg (37 Prozent).

Einschließlich der Wasserkraft produziert Uruguay inzwischen mehr als 97 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energiequellen. Das Land hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Wandel im Energiesektor vollzogen: Noch vor zwanzig Jahren entfielen fast 30 Prozent der uruguayischen Importe auf Erdöl und große Teile des Stroms wurden aus dem Nachbarland Argentinien importiert.

Die rasche Diversifizierung des Stromsektors begann unter dem ehemaligen Präsidenten Mujica, der das Land zwischen 2010 und 2015 führte. Für ihn waren erneuerbare Energien, vor allem Windenergie, ein Weg, um die Stromerzeugungskosten zu senken. Bereits 2016, ein Jahr nach seiner Regierungszeit, hatten Windparks im ganzen Land diese Kosten um mehr als 200 Millionen US-Dollar jährlich gesenkt.

Mujicas Motivation war eher rational als ideologisch. Sein Erfolg ist auf transparente Entscheidungsfindung, ein unterstützendes regulatorisches Umfeld und die starke Partnerschaft zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor zurückzuführen. Stabile Windverhältnisse von etwa 8 Meilen pro Stunde und niedrige Wartungskosten sowie ein fester, auf zwanzig Jahre garantierter Einspeisetarif durch das öffentliche Versorgungsunternehmen sorgten für ein florierendes Investitionsklima.

Diese Politik hat bisher mehr als 7 Milliarden US-Dollar an Investitionen in den Sektor der erneuerbaren Energien des Landes ausgelöst und ist für mehr als 15 Prozent des BIP verantwortlich. Sie ermöglichte es Uruguay auch, seine Treibhausgasemissionen bis 2017 um erstaunliche 88 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2013 zu reduzieren.

Die Umstellung auf erneuerbare Energien hat auch eine vielfältigere Stromerzeugung ermöglicht und damit den Energiesektor des Landes widerstandsfähiger gegenüber einem sich ändernden Klima gemacht. Während viele lateinamerikanische Länder einen Großteil ihres Stroms aus Wasserkraftwerken beziehen - und sich als grüne Champions rühmen - kann Uruguay seine Wasserressourcen für die seltenen Zeiten aufsparen, in denen der Wind nicht weht. So können die Staudämme das Wasser länger in ihren Reservoirs halten, was dazu beigetragen hat, Dürreperioden um bis zu 70 Prozent zu reduzieren.

Diese beeindruckende Erfolgsgeschichte basiert auf einer wachsenden öffentlichen Akzeptanz, dass das konventionelle Energiewachstumsmodell nicht mehr nachhaltig ist. Das Beispiel Uruguay zeigt, dass es möglich ist, in relativ kurzer Zeit zu diversifizieren und große Teile der Stromerzeugung auf Wind- und Solarenergie zu stützen, ohne auf schmutzige Energie zurückgreifen zu müssen, und dass dieser Wandel sowohl der Wirtschaft als auch der Gesellschaft als Ganzes sichtbar zugute kommt.

Der Mujica-Weg bietet aber auch eine weitere, nicht minder wichtige Lektion für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Südamerika insgesamt: Er wird nur durch transparente Entscheidungsfindung und ein stabiles regulatorisches Umfeld gelingen. Wie viele von Uruguays Nachbarn sind bereit, das zu lernen?

Bildnachweis: Andrew Schultz